Die Leerstellen im Korridor

von Maria Galic

Foto: Maria Galic
Foto: Maria Galic

Schlaglichter auf den langen Korridor der kollektiven Vergangenheit

Durch die knarrenden Türen in die Arme der Hüter der zerflossenen Zeit

Die Fenster der Geschichte auf Konservierungsformen von Erinnerungen sind breit und zielgerichtet geöffnet

 

Offen und transparent – dennoch  verschlüsselt, nicht greifbar die unermesslichen Dimensionen vergangener Zeit

Tiefes Staunen über das Archiv an Epochen, verschmolzen zu einem Kern aus Räumen, Menschen, Ereignissen und Vergessen

Gewöhnt an den Luxus des Lichts, verletzt das Dunkle facettenreich und kompromisslos einen Stich in die Bequemlichkeit des Denkens

Das Bedürfnis nach Geschichte in der Furcht vor der Komplexität geschichteter Strukturen

 

Still,  die Objekte der Betrachtung – Laut, die Fragen der einsamen Masse

Wortlose Innerlichkeit eingeschrieben in den Asphalt, in den Mauern und Gebäuden des redlichen Schweigens

Der Klang der Erinnerungspartikel im luftleeren Raum öffnet neue Perspektiven im Schlachtfeld des Für und Wider

Im Modus räumlicher Nähe und in zeitlicher Distanz – plastische Symbole und Zeichen vergangener Existenzen

 

Schöpferischer Widerstand im weißen Raum, Fragmente als Träger der Geschichte gepaart mit ästhetischen Bruchstücken vergangener Jahrhunderte

Formen der Unmenschlichkeit erbarmungslos, rau, karg,  kühn, einfach und wahr

Spuren sichtbar, die nicht mehr existieren – sehen, was nicht sichtbar ist. Ein visuelles Erlebnis – es bleibt ein Gedankenexperiment

Stolpersteine auf dem Denkmalspfad – Ein Spiegel, der zur wachhaltenden Reflexion zwingt. Ein Lippenbekenntnis im Sturm der Entrüstung

 

Ein bewusster Fokus lenkt den Blick auf die Leerstellen in dem langen Korridor der Vergangenheit  – Die Mutter der differenzierten Betrachtung

Sieh hinein.