Heimat Berlin

von Mona Fenten

Erinnern soll ich mich, erinnern an vergangene Zeiten

Doch wie soll das gehen, wenn mich nicht eigene Erinnerungen leiten?

Berlin, die Stadt als kulturelles Archiv

Das war der rote Faden, als ich durch die Straßen lief

 

Das, was nicht notwendig ist, ist Ausdruck

Ein Mann, ein Satz – durch die Gruppe geht ein Ruck

Die Museumsinsel als Spiegel der Vergangenheit

Eine Konstruktion, die nach kritischer Nachfrage schreit

 

Heimat Berlin, so steht’s geschrieben

Von der Heimatgeschichte ist nicht viel geblieben

Nur einer, der liegt da im Stillen

Und bekommt auch nach dem Tode seinen Willen

 

Sein Name ist Brecht und er liegt da zu Recht,

neben denen, von denen alle sagen, sie waren nicht schlecht

Herr Mann, Herr Becher, Herr Schinkel und Herr Fichte

der Dorotheenstädtische rückt sie alle ins prominente Lichte

 

Bedeutet Erinnerung etwa über einen Friedhof zu gehen?

Dazu haben alle unterschiedliche Ideen

Dann endlich eigene Erinnerung im Museum der Dinge

Bekannte Objekte schärfen unsere Sinne

 

Jedes Kind hat eine Schatztruhe

Die unerhörten Dinge erfordern zunächst ein bisschen Ruhe

Da steht ein Mann mit scheinbar schiefen Gedanken

Die sich vor allem um seine eigenen Erinnerungen ranken

 

Ich habe meine nur geöffnet und jetzt stehen Sie mittendrin

Ergibt die Erinnerung hier einen Sinn?

Brandenburg ist eine Überdosis Dorf, sagt Strubel

Zur offensichtlichen Verbannung von Erinnerung ertönt kein Jubel

 

Doch ist es auch schön, wenn alles hübsch aussieht

Wenn der Mensch im Alltag nicht jeden Tag eine Grimasse zieht

Vielleicht zieht uns die Erinnerung auch zurück

Und reißt die Lebensfreude jedes Mal ein Stückchen mit

 

Im Dunkel des Jüdischen Museums endet die Erinnerung

Die ersten Münder bleiben stumm

Erinnerung denken kann im Denken erinnern

Aber die Denkanstöße sollten nicht alles verschlimmern