Angriff der Giganten

von Kristina Dann

Fotos: Kristina Dann

Sie erheben sich über der Stadt,

recken ihr Hälse aus der Erde zum Himmel empor,

geschlungenes, kaltes Eisen,

hört ihr denn nicht das Zischen der mächtigen Zungen?

Sie besetzten, zerstören, überschütten,

formen die weiche Masse aus Sehnsucht, Schmerz und Erinnerung,

und dann steht es dort,

neu, fremd, alt, stumm.

 

Schicht für Schicht bis Vergangenes überschrieben ist,

Schicht für Schicht bis Vergangenes nicht mehr sichtbar ist.

 

Die eisernen Giganten wüten über der Stadt, unermüdlich,

angetrieben von der Masse,

angetrieben von dem grünen Kraftstoff, der wie Gift durch ihre Leitung strömt,

sie blind macht für das, was einst verankert war,

die Gier in ihnen entfacht,

Gier Neues zu erschaffen, dass im alten Glanz erstrahlt,

zu bestimmen was gesehen, was gewusst, was erinnert wird,

die Konstruktion der Gegenwart.

 

Schicht für Schicht bis Vergangenes überschrieben ist,

Schicht für Schicht bis Vergangenes nicht mehr sichtbar ist.

 

Stopft den Giganten ihr Maul,

bringt ihre mächtigen Zungen zum Schweigen,

gebt den Blick zum Himmel wieder frei,

kämpft um das Gesicht der Stadt,

öffnet die Augen, schaut hin,

sucht nach den Spuren, den Resten, den Narben.

 

Schicht für Schicht bis Vergangenes enthüllt ist,

Schicht für Schicht bis Vergangenes wieder sichtbar ist.