(Un-)Erhörtes

Unerhörtes und Erhörtes: beides erwartete uns im Museum der unerhörten Dinge. Aber was heißt „unerhört“? Befinden sich dort etwa skandalöse oder gar schlüpfrige Dinge? Doch inwiefern ließe sich dann von „erhört“ sprechen? Weder der Anblick des eher unscheinbar wirkenden, sehr schmalen Hauses zwischen den Hausnummern 5 und 6 in der Crellestraße in Berlin-Schöneberg, noch ein erster Blick in den Ausstellungsraum gaben uns zunächst Antworten darauf. Scheinbar ganz normale Alltagsgegenstände wie ein Telefonhörer oder eine aus Holz geschnitzte Blume waren im Ausstellungsraum positioniert, dazu jeweils eine Seite mit der Geschichte des jeweiligen Gegenstands. Nur wer diese genau las, wurde an einigen Stellen stutzig. Erzählten sie doch u.a. vom sogenannten Pseudostein, wobei es sich um versteinertes Eis handelt, das während der zweiten Vereisung der Erde entstanden sein soll, oder von einem Rentier, welches von Lappland nach Spanien gezogen war, weil es wegen seines veränderten Temperaturempfindens aufgrund seines nach innen gewachsenen Geweihs ständig fror.

 

Solche Geschichten sind es, die Museumsdirektor Roland Albrecht von den Dingen erzählt werden. Er erhört diese und schreibt sie nieder. In seinem Depot zeigte er uns weitere Fundstücke. Zu diesen habe er zwar bereits aufgrund der Art und Weise, wie er sie entdeckt hat, einen Bezug, doch als wirklich erhört gelten sie für ihn erst, wenn sie sich ihm geöffnet haben und er ihre Geschichte aufgeschrieben hat. Erst dann können sie mit ihrer Geschichte Teil seiner Ausstellung werden. Eine Ausstellung, in der die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion verschwimmen. Nicht nur einmal fragten wir uns: Kann das sein? Oder hat er sich das nur ausgedacht? Roland Albrecht antwortete darauf nur lächelnd: „Die Wirklichkeit ist machbar.“ 

Wie Roland Albrecht auf seine Fundstücke stößt und was ihn an den Dingen fasziniert, zeigen Stephanie Wolke und Sabrina Jaehn in ihrem Video-Clip Finden statt suchen. In „Dingdichtung“ beschäftigt sich Esther Kalb mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden des „Museums der unerhörten Dinge“ zu konventionellen Museen. Mit den Geschichten „Der Nussknacker“Darwins Büroklammer“„Das gebrochene Herz“ und „Ente gut, alles gut“ haben sich Sheila Tarentino Diez, Anna Mojsejenko, Britt Launspach und Annika Ahrens selbst einmal daran versucht, den Dingen zu lauschen und ihre Geschichten zu Papier zu bringen.