Das gebrochene Herz der Luise Dorothea Sophie von Brandenburg/Berlin

von Britt Launspach

Foto: Britt Launspach
Foto: Britt Launspach

Als Luise Dorothea Sophie von Brandenburg am 15. März 1699 den fünf Jahre älteren Karl als Gärtner an ihrem Hof kennenlernte, wusste sie noch nicht, dass die Liebe zu ihm ihr Herz brechen sollte.

 

 

 

Luise, am 29. September 1680 in Berlin geboren, war die einzige Tochter des damaligen preußischen Königs Friedrich I. (1657–1713) und dessen erster Ehefrau Elisabeth Henriette (1661–1683), Tochter des Landgrafen Wilhelm VI. von Hessen-Kassel. Ihre Stellung als Prinzessin und Marktgräfin verbot Luise viele Freiheiten, wie das selbstständige Aufsuchen von Märkten, Bällen und weiteren Veranstaltungen.

 

Die Gespräche am Hof zwischen Karl und Luise mussten meist im Geheimen stattfinden. Der Gärtner buhlte um das Herz der Prinzessin und konnte es für sich gewinnen. Beide schrieben sich Briefe und trafen sich heimlich. Am 15. Februar 1700 legte Karl einem seiner Briefe ein Medaillon bei. Es war so simpel und klein, dass es zwischen den Seiten Briefpapier nicht auffiel und fast verloren gegangen wäre. Luise hielt es zusammen mit den Briefen versteckt.

 

Die Liebesgeschichte war jedoch von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Denn Luise war schon seit mehreren Jahren einem anderen versprochen: ihrem Cousin, dem Erbprinzen Friedrich von Hessen-Kassel (1676–1751). Kurz vor ihrem 20. Geburtstag gab ihr Vater, Friedrich I., die Verlobung offiziell bekannt. Luise musste sich fügen und heiratete Friedrich schließlich am 31. Mai 1700. Die Hochzeit wurde prunkvoll und über mehrere Wochen in Berlin, Oranienburg, Potsdam und Kassel gefeiert. Gottfried Wilhelm Leibniz, der sich zum Zeitpunkt der Vermählung in Berlin aufhielt, berichtete: „Die geplante Akademiegründung fesselt mich mehr an diesen Ort als der festliche Hochzeitspomp, welcher jetzt vorbereitet wird, da der Bräutigam hier gestern mit großem und glänzendem Gefolge von Wagen, Pferden und Menschen seinen Einzug hielt und eine Aufnahme fand, bei welcher zu einer königlichen Pracht nichts fehlte.“1

 

Die Trennung von Karl schmerzte Luise jedoch derart, dass sie schwer erkrankte und für fünf Jahre das Bett nicht verlassen konnte. Luise verstarb schließlich am 23. Dezember 1705 – kinderlos. Sie wurde nur 25 Jahre alt. Es hieß, sie wäre an gebrochenem Herzen gestorben.

 

Der frühe Tod seiner Frau ermöglichte Friedrich die Vermählung mit Ulrike Eleonore. Er wurde dadurch 1720 König von Schweden. Das zerbrochene Medaillon fand Luises Zofe Magarete als sie nach dem Tod Luises auf die Briefe stieß. Sie behielt es als Andenken und bewahrte es in einem kleinen Holzkästchen auf. Der schmuckvolle aber wertlose Anhänger wurde erst Jahrhunderte später gefunden, als Roland Albrecht in Berlin den Dachboden seiner Großmutter aufräumte. Der Geschichte seiner Herkunft konnte Albrecht aufgrund einer kurzen Notiz seiner Urahnin nachgehen.

 

Quellen:

 

Geppert, Carl Eduard: Chronik von Berlin von Entstehung der Stadt an bis heute:  Von Entstehung der Stadt bis zum Regierungsabschluss des Königs Friedrichs des Ersten. Band 1. Berlin: Rubach 1839, S. 188 ff.

 

Hahn, Werner: Friedrich, der erste König in Preußen: Im Jahre 1851 dem Einhundert und Fünfzigjährigen  Königreich. Berlin: Verlag der Deckerschen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei 1851, S. 78, 217.

 

Müller, Kurt / Krönert, Gisela: Leben und Werk von Gottfried Wilhelm Leibniz. Frankfurt a. M.: Vittorio Klostermann 1969, S. 163.

 


[1] Müller, Kurt / Krönert, Gisela: Gottfried Wilhelm Leibniz, S. 163.