Der Nussknacker

von Sheila Tarentino Diez

Foto: Sheila Tarentino Diez
Foto: Sheila Tarentino Diez

Familie Gupert lebte im Erzgebirge und hatte ein besonders schönes Exemplar eines Nussknackers in der Wohnung stehen, ganzjährig. Er kam nur manchmal zum Einsatz, befand sich aber schon seit mehreren Generationen in der Familie, schließlich haben die Vorfahren traditionelle Holzkunst hergestellt.

 

Bereits in der Antike gab es Nussknacker dieser Art, Aristoteles soll über ihn philosophiert haben. Diese Götzenfiguren, so wie Jacob Grimm sie nannte, dienten zur Besänftigung der Hausgeister: Die Gestalten mit dem riesigen Maul sollten Respekt einflößen.

 

Zurück zur Familie Gupert, die sehr an die Wirkung des Nussknackers glaubte. So hielten Willfried und Anneliese die Figur in Ehren, der besondere Familienbesitz stand in ihrem Wohnzimmer bis die beiden letzten Sommer in ein Altersheim zogen. Dorthin allerdings wollten sie den Nussknacker nicht mitnehmen und so vermachten sie ihn ihrer Enkelin Lisa. Allerdings passte das alte Sammlerstück nicht in die moderne Wohnung von Lisa und ihrem Freund Max und schnell verschwand es in irgendeinem Schrank.

 

Seit Weihnachten ist jedoch ein neues Dekor in die Wohnung gezogen und strahlt in vielen Farben aus seiner Ecke – ein neuer Nussknacker. Aber auch dieses Exemplar ist in der Wohnung des jungen Pärchens nicht willkommen. Es ist schon mehrfach von der Kommode gefallen, die Arme sind bereits lose und Nüsse knacken kann er auch nicht mehr – und die Hausgeister mögen ihn offenbar auch nicht, denn der neue Nussknacker fällt immer noch verdächtig oft herunter und ist bald völlig nutzlos. Vielleicht hatte Jacob Grimm bezüglich der Hausgeister da etwas verwechselt…